S wie Schweiz
Kleiner Sprachkurs
Schwyzer Dütsch in 5 Tagen

1. Tag
Fragen Sie nach jedem Satz "odr?", auch bei Aussagesätzen wie "Mir ist kalt, odr?" 

2. Tag
Sprechen Sie das "ch" nach einem "i" oder "e" (z. B. in "ich" und "echt") wie das "ch" in Docht, also im Rachen.

3. Tag
Die Verkleinerungsform "-chen" wird zu "-li". Das Blümchen wird szu Blümli. Der Artikel "das" wird wie "s" ausgesprochen. Ein Brötchen heisst also "s'Brötli".

4. Tag
Zwei-silbige Wörter werden grundsätzlich auf der ersten Silbe betont: Büro. Ressort, Fondue.

5. Tag
Bei manchen Volkalen hilft nur auswendig lernen. Sagen Sie "öppis" statt "etwas", "lädele" statt "gemütlich einkaufen", "Puff" statt "Durcheinander" und "chrampfe" statt "arbeiten"

Tarzan war ein Schweizer...!

Die Sonne scheint in mein kleines Holz-Chalet in den Bergen. Vor meinem Fenster vergnügen sich grasende Schafe mit wiederkäuenden, lila Kühen. Der helle Klang ihrer Glocken hallt durch ’s ganze Tal. Schweiz - hier ist die Welt noch in Ordnung...!

Der Standard-Schweizer ist von gedrungenem Wuchs. Er ist kritisch, misstrauisch und geizig. Ein behäbiger, schlurfender Gang zeichnet ihn aus. Wenn er das Haus verlässt, setzt er diesen ernsten Blick auf. Er traut sich nicht, öffentlich zu lachen. So etwas gehört sich nicht! Der Standard-Schweizer erinnert stark an ein tristes Nilpferd auf Valium. Heutzutage sehen die meisten Schweizer anders aus - dem Fremdenverkehr sei Dank...! 

Wie lebt der Schweizer? Wir kennen zwei Untergruppen. Der moderne Schweizer hat eine Frau, zwei Kinder, fährt einen Kombi (vorzugsweise Opel), wohnt in einem gemieteten Reihenhäuschen mit Rosengarten und zahlt verdammt viel Steuern. Der ursprüngliche Schweizer lebt auf der Alp, vermehrt sich durch Inzucht und ist glücklich. Kennst Du die Milka-Werbung...? Genau so! 

Die einzigen, die hier zu Lande die nötige Muse haben, um die schönsten Fleckchen zu entdecken, sind Touristen und Asylanten...! Als rettenden Gegenpol haben wir unsere eigenen Feiertage geschaffen. Wilhelm-Tell-Wochen treffen auf wilde Käse-Orgien. Dazwischen mal eine nette Grill-Party. Dabei kommt es oft zum fröhlichen Kuhfladen-Wett-Werfen mit den Nachbarn. Wer zuerst den Grill trifft, hat gewonnen. 

Böse Zungen behaupten, Schwyzerdüütsch beruhe auf einer Halskrankheiten. Ich dementiere - ein für alle Mal! Im Klartext: das ist kein Gerücht - es ist tatsächlich eine Halskrankheit! Der Facharzt spricht von "lingustus helveticus". Es handelt sich um einen besonders heimtückischen Virus. Einmal eingenistet, lässt es sich häuslich nieder und bleibt dir treu bis zum Ende deiner Tage. Eine Heilung ist nicht möglich. Der Erreger von "lingustus helveticus" wird sogar vererbt, meistens von der Mutter (oder vom Vater) auf das Kind. Das ist tragisch! 

Im vorgeschrittenen Stadium von "lingustus helveticus" spricht man von Jodeln. Die Symptome: plötzliche, anfallsartige Kreisch-Attacken, meist im hohen Frequenz-Bereich. Hört sich etwa so an, wie wenn dein Dackel nach Luft schnappt. Oder Tarzan! Tarzan pflügt mit seiner Liane den Urwald - dann sein uauauauauaa-Schrei. Es gibt nur eine einzige, logische Erklärung: Tarzan muss Schweizer gewesen sein..! 

" Schwyzerdüütsch in zehn Tagen - in zehn Schritten zur ultimativen Halskrankheit": 
1. wir beginnen mit dem Wichtigsten: achte immer darauf, deine Mundwinkel frustriert nach unten hängen zu lassen (erfordert etwas Übung) 
2. einen waschechten Schweizer erkennst du daran, dass sich diese hängenden Winkel unauslöschlich in sein Gesicht eingegraben haben 
3. versuche, jeden Buchstaben an deinem Gaumensegel flattern zu lassen 
4. erinnere dich, wie du gesprochen hast mit deiner schlimmsten Angina 
5. perfektioniere dein "ch"; bewährt ist noch immer das abgelutschte und halszäpfchengefährdende "Chuchi-Chästli" 
6. heute üben wir das "r"; lass deine Zunge rrrrollen, ganz vorrrrne, die Zunge nur leicht an den Gaumen gedrückt 
7. die heutige Hausaufgabe: schieb nach jedem Satz ein "oder...?" nach; wichtig ist der fragende Unterton, lass es wie eine entscheidende Frage klingen 
8. die Steigerung: anstelle des "oder...?" nimmst Du ein "oder nicht...?"; das ist noch wirkungsvoller
9. merke: die einzig passende Antwort auf ein schweizerisches "oder...?", bzw. auf ein "oder nicht...?" lautet kurz: "oder was...?" 
10. falls es mit Schwyzerdüütsch nicht ganz klappen sollte, sei nicht traurig. Denke dran: auch wir Schweizer verstehen einander nicht! Warum sollte es dir da besser ergehen? 

Schweizer sind überpünktlich! Das sind wir schon unserem Ruf schuldig.
Hier eine gewöhnliche Woche im Leben eines durchschnittlichen Schweizers

Montag 
Der Schweizer geht zur Arbeit.
Die Schweizerin trennt ihren Müll. 
Abends: Der Schweizer vergnügt sich im Männer-Turnverein.
Die Schweizerin strampelt sich im Frauen-Turnverein ab.
Anschliessend trifft man sich zum Wett-Baggern beim Schlummertrunk im Stamm-Lokal. 

Dienstag
Der Schweizer geht zur Arbeit.
Die Schweizerin macht grosse Wäsche. 
Abends: Der Schweizer und die Schweizerin schauen sich den TV-Krimi an, nachher wird die eheliche Pflicht erfüllt (natürlich unter der Bettdecke und im Dunkeln). 

Mittwoch
Der Schweizer geht zur Arbeit.
Die Schweizerin erzieht die Kinder. 
Abends: Der Schweizer hängt im Stamm-Lokal ab, klopft mit seinen Kumpels einen gemütlichen Jass und ertränkt seinen Frust in Alkohol.
Die Schweizerin sortiert ihre Kaffeerahmdeckelisammlung.
Die Schweizerin hat Migräne! 

Donnerstag
Der Schweizer geht zur Arbeit.
Die Schweizerin studiert Kochbücher und schreibt den wöchentlichen Einkaufszettel für Samstag. 
Abends: Der Schweizer wiederholt das Mittwochs-Ritual.
Die Schweizerin besucht einen Handarbeits-Kurs (Häkeln oder Makramée).
Die Schweizerin hat Migräne! 

Freitag
Der Schweizer geht zur Arbeit.
Die Schweizerin putzt rund um die Uhr. 
Abends: Der Schweizer versucht mit allen Mitteln (oft gar mit Blumen!), seine Frau zu erneutem, biologischem Kontakt zu überreden.
Die Schweizerin hat Migräne! 

Samstag
Der Schweizer und die Schweizerin gehen einkaufen.
Nachmittags: Das Gärtchen wird auf Vordermann gebracht.
Der Schweizer mäht den Rasen.
Die Schweizerin versorgt die blutroten Geranien.
Abends: Pärchen gehen Tanzen. Familien fahren ins Kino. Singles tummeln sich im Internet.
Die Schweizerin hat Migräne! 

Sonntag
Erst mal ausschlafen, dann folgt ein gemütliches Frühstück, das sich bis in den Nachmittag hin zieht.
Am Nachmittag die Kinderchen nett heraus putzen und auf dem immer gleichen Spaziergang fröhlich Gassi führen.
Abends gehen alle früh zu Bett.
Die Schweizerin hat Migräne! 

Aus dem Land der hängenden Mundwinkel